Antwort auf die Frage nach dem Kinderwunsch

Au ja! Viele!

(Vorher)

 

 

Ja, nochmal. Bald.

(Nach dem ersten) 

 

 

Sautraurig.

Aber passiert.

(Nach Fehlgeburt)

 

 

Schon wieder alles anders!

(Nach dem Zweiten)

 

 

 

Ach wie süß!

Gibt aber auch andere Momente. 

(Beim Anblick eines Babys) 

Das Geburtstagsgefühl

Heute fühle ich mich anders. Ich bin heiter und federleicht.

Ich habe nämlich Geburtstag.

Jedes Kind weiß jetzt, wovon ich rede. So viele Erwachsene haben mir erzählt, dass sie ihren Geburtstag nicht gern feiern. Sie werden nicht gern daran erinnert, dass sie älter werden. Und sie finden es irgendwie egoistisch, sich selbst zu feiern. Sie wissen nicht, wovon ich rede. Sie fragen sogar ironisch: "Und, fühlst du dich anders?" Und lachen dann, wenn ich ja sage, als hätte ich einen Witz gemacht.

An meinem Geburtstag ist zwar meistens auch Arbeiten angesagt: Erwerbsarbeit, Papierkram, aber auf jeden Fall Einkäufe und die Wohnung dekorieren. Aber egal was der Tag bringt, ich fühle mich anders, besonders. Es liegt ein Zauber in der Luft. Egal wie schlimm der Verkehr ist: ich lächle den anderen Autofahrerinnen zu. Sie dürfen heute hupen, mich überholen und mich ausbremsen. Denn ich weiß: niemand will mir etwas Böses heute. Heute ist ein besonderer Tag, und ich freue mich wie eine Schneekönigin über jede, die daran denkt. Es gibt Einträge auf Facebook - sogar mein Exfreund von vor über 10 Jahren denkt an mich! -, es gibt E-Mails, es gibt E-Cards und richtige, echte Karten, die ihren Weg nach Kairo gefunden haben. Von Mama natürlich ein Päckchen, mit verschwenderisch vielen Süßigkeiten und was immer ich mir von ihr gewünscht habe, in dreifacher Ausführung plus ein Kleidungs- oder Schmuckstück von Tchibo. Ich sitze vor dem Packet und freue mich kein bißchen weniger als vor 20 Jahren. 

Anrufe gibt es auch, und dann die vielen Leute, die zur Feier kommen. Einfach nur für mich, wegen mir. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen darüber, ob es genug geben könnte - an Essen, an Unterhaltung. Heute ist mein Tag und alle kommen wegen mir. Wie wichtig ich bin für viele Menschen! Wie vielen ich es wert bin, dass sie sich solche Umstände machen und an mich denken, mir schreiben, mich besuchen kommen! Mein Herz ist angefüllt bis an den Rand mit Dankbarkeit. Aber irgendwie wundert es mich nicht. Es bestätigt nur, was ich an diesem Tag im Inneren weiß: ich bin angenommen, angekommen auf dieser Welt, ich leuchte und werde gesehen. 

Heute ist alles Gold. Ich genieße jeden Bissen, den ich heute esse. Ich genieße jede Minute, die ich irgendwo sitzen kann. Ich genieße jeden Dialog, den ich heute führen kann. Ich freue mich über alles, was ich heute wahrnehme. Und über jede, die heute mein Glück mit mir teilen will.

Nun, was ist der Geburtstag wirklich? Worum geht es? Es ist ein Ritual, eine Feier der eigenen Existenz und damit auch des ganzen Lebens im Universum. Einmal Luft holen und der göttlichen Liebe, von der ich komme, ein lautes "JA!" entgegenrufen. Dass sich da etwas jährt, dass es mich jetzt soundsolang gibt, ist eigentlich zweitrangig, ebenso, wie das, was an diesem Tag passiert, oder die Zeit an sich.

Ich plädiere garnicht dafür, dass gefälligst jede Geburtstag feiert. Ich plädiere dafür, dass jede von uns sich jeden Tag so fühlen möge, wie ich mich an meinem Geburtstag!  

Übrigens: ich denke nicht, dass Deutschland ZUFÄLLIG an meinem Geburtstag seine nationale Einheit feiert… 

Stell' dir vor, Träumerin

Ich würde gerne eine bestimmte Idee beschreiben, die mich von Neuem durchdrungen hat. Es wären poetische, erhebende Worte. Aber es gibt jemanden, der das bereits getan hat, John Lennon im Jahr 1980:

 

Imagine there’s no heaven, it’s easy if you try

No hell below us, above us only sky

Imagine all the people living for today

 

Imagine there’s no countries, it isn’t hard to do

Nothing to kill or die for and no religion, too

 

Imagine all the people living life in peace

You may say I’m a dreamer but I’m not the only one

I hope some day you’ll join us and the world will be as one 

 

Imagine no possessions I wonder if you can

No need for greed or hunger a sisterhood of man 

 

Imagine all the people sharing all the world

 

Frei übersetzt:

Was ist wenn man gar nicht in den Himmel kommen kann und auch nicht in die Hölle? 

Stell’ dir vor, alle leben nur für das "Hier und Jetzt"!

Was ist wenn es gar kein Vaterland gibt und keine Religion, nichts wofür jemand morden oder sterben müsste?

Stell’ dir vor, dass alle Menschen in Frieden leben!

Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber nicht die Einzige. Ich hoffe du träumst eines Tages mit, dann wird die Welt sich einen.

Was ist, wenn es gar keinen Besitz gibt, keinen Grund für Neid oder Hunger?

Stell’ dir vor, wir alle sind Geschwister, stell’ dir vor, wir teilen uns die Welt!

Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber nicht die Einzige. Ich hoffe du träumst eines Tages mit, und die Welt wird eins sein. 

 

Wovor haben wir Angst? Wie handeln wir liebevoll? Diese zwei Fragen sind die einzigen, mit denen wir uns beschäftigen müssen, damit unsere Seele ihre Flügel ausbreiten und die Wahrheit fühlen kann: dass wir alle eins sind, eins mit der göttlichen Liebe, die uns umgibt. Eigentlich sehr einfach, aber meistens verdammt schwer.

Für Deutsche könnte die Nachricht sein: die Türken in deiner Stadt sind deine Geschwister, und die Moschee, die sie sich bauen möchten, ist kein Angriff gegen deinen Glauben. Für den Militärrat in Kairo könnte die Nachricht sein: teilt die Macht unter euren Schwestern und Brüdern auf, denn das Land und sein Reichtum gehört euch allen. Ihr werdet reicher werden, nicht ärmer, so wie ihr befürchtet. Und für mich heißt es seit Neuestem: es gibt nichts, was die göttliche Macht von mir fordert; es gibt keinen wahrhaftigen Grund, Angst zu haben, z.B. vor der Zukunft; und vor allem gibt es eins nicht: ein wirkliches Ende meines oder allen Lebens.

Na, wer kann da noch unterschreiben? 

What are we afraid of? How do we act lovingly? These two questions are the only ones we have to take care of, in order for our soul to spread her wings and feel the truth: we are all one, we live in unity with the love of god that is always surrounding us. Could be easy, most of the time it’s not.

For Germans, the message could be: the turkish people in your town are your siblings, and the mosque they want to build is not meant to threat your beliefs. For the military counsel in egypt it could be: divide and give your power to your sisters and brothers, because the country and its wealth belongs to all of you. You will be richer, not poorer, like you believe right now. And for me the news is: god wants nothing; there is no true reason to be afraid, p.e. of the future; but most of all: there is no real end to my or any life.

Now, who of you would sign in for this? 

Sexuelle Belästigung in Ägypten heute - Sexual harassment in egypt today

Monday morning, 8.30a.m, Zamalek, rich people and diplomats live here. It’s 29 degree already, it’s going to be 10 more at noon. It’s very early, there are rarely people on the street. I just put my kid to nursery and I’m on my way back home, on Shagarit al-Durr-street. I’m walking slow, six months pregnant, I can feel it and one can see it. I’m in a bad mood, looking down to the street. I’m tired, it’s too hot. I am thinking about our flight back to Germany. Six days to go. A big, smelling puddle makes it impossible for me to cross the street like always, so I go on walking straight. Suddenly I feel an unpleasant, quick grab on my left breast. Surprised I look up. A young egyptian runs by me. Blue, tight T-shirt, black, short hair, stonewashed bluejeans. He keeps on running. I realised I just got harassed. I scream towards him, in english, and really regret I haven’t learned something arabic like "Don’t you have a mother?" that would at least touch the heart of some bystanders.

I turn around again and start sobbing. A young couple walks by on the other side of the street, he is laughing. I scream at him as well. He shuts up immediately. A shop owner asks me what was going on and I shout it to him. He seems to be relieved and says calmingly "malesh, malesh". What does that mean? That he doesn’t think something terrible happened and that he wants to calm me down.

A diplomat district, daytime, a pregnant woman, shoulders and knees covered. Whatever. Without babybelly, a mini skirt at night in a poor neighbourhood wouldn’t have made it better.

That is what’s been going on half an hour ago. Slowly my tears stop running. I’ve reached a new low in my egypt harassment career. I guess I’m even lucky, that so far nothing worse happened.

I don’t know what it is that us women are being punished for. In egypt it can’t be the christian thought of Eve having brought sin to the poor men. The fact is, egyptian men put us women in distress through harassing us, almost everywhere in Egypt, but certainly everyday. No matter how old a woman is, what she is wearing or where she is from. Tell the world who does this to you. Tell everyone. Shame on all men who make it impossible for us to walk securely and free on our way through town.

 

Montagmorgen, 8.30 Uhr. Reichen- und Diplomatenviertel Zamalek, Kairo. Schon 29 Grad heiß. Es werden wohl noch 10 mehr werden. Es ist sehr früh, noch kaum jemand ist auf der Straße. Ich habe mein Kind im Kindergarten abgeliefert und bin auf dem Heimweg. Ich laufe langsam auf der Shagarit-el-Durr-Straße: die sechs Schwangerschaftsmonate sind bald voll, und das spüre ich und man sieht es auch. Ich bin schlecht drauf, gucke auf den Fußboden. Ich bin noch müde, es ist zu heiß. Ich denke an unsere bevorstehende Reise nach Deutschland. Noch sechs Tage. Eine riesige, stinkende Pfütze neben dem Gehweg hindert mich daran, meinen normalen Weg über die Straße zu gehen. Also laufe ich geradeaus weiter. Auf einmal spüre ich eine grobes, flüchtiges Reißen an meiner linken Brust. Ich schaue überrascht und perplex hoch. Ein junger Ägypter rennt an mir vorbei. Hellblaues, enganliegendes T-shirt, schwarze, kurze Haare, blaue, ausgewaschene Jeans. Er rennt und rennt. Da erst wird mir klar, dass ich "belästigt" worden bin. Ich schreie ihm nach, auf englisch, und bereue zutiefst, nicht dem Tipp meines Mannes gefolgt zu sein und "Hast du keine Mutter?" oder irgendwas auf Ägyptisch gelernt zu haben, dass in einer solchen Situation zumindest die Herzen der umstehenden Männer erweichen würde. 

Ich drehe mich wieder um und fange zu schluchzen an. Ein junges Pärchen läuft auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sie schauen rüber und er lacht. Ich schreie ihn auch noch an, da hört er auf. Ein Ladenbesitzer mit grauen kurzen Haaren und Brille auf deren Seite macht eine fragende Geste. Ich sage ihm was passiert ist, besser gesagt, ich schreie es rüber. Er scheint erleichtert zu sein, dass das alles ist, auf jeden Fall sagt er in beruhigendem Ton "Malesch, malesch." Ich weiß bis heute nicht, was das genau heißen soll. Ich weiß nur, dass diejenige, die es sagt, denkt, dass nicht Schlimmes passiert sei, und dass es diejenige, der es gesagt wird, beruhigen soll.

Ein Diplomatenviertel, am hellichten Tag, eine schwangere Frau, Schultern und Knie bedeckt. Ach was soll’s. Ohne Babybauch im Minirock nachts um drei in einem Armenviertel wäre es auch nicht besser gewesen.

Das war gerade eben, vor einer halten Stunde. Der Tränenfluss lässt langsam nach. In der Liste "Anstarren, Zungenschnalzen, Nachpfeifen, Anpöbeln, Herandrängen, Angrapschen" bin ich jetzt eben auf der letzten Stufe gelandet. Es ist nicht wirklich die letzte Stufe. Ich bin eine Frau, die im Großen und Ganzen Glück hatte und vor männlichen Übergriffen weitgehend verschont geblieben ist.

Ich weiß nicht genau, wofür Frauen da büßen müssen. In Kairo kommt die Erbsünde durch Eva ja wohl nicht in Frage. Fakt ist, dass ägyptische Männer auf der Straße regelmäßig und so gut wie überall Frauen jeder Nation, jeden Alters, in jeder Art von Kleidung belästigen. Benennt die Schuldigen. Erzählt es allen weiter. Schande über alle Männer, die uns daran hindern, sicher, frei und unbeschwert unseren Weg zu gehen.

An mein Kind

Jesper Juul hat recht: als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, ging wie eine Sonne der Wunsch in mir auf, dich zu lieben und zu beschützen bis an mein Lebensende. Dort strahlt sie und behält ihre Stärke. Ob du deine Würde als kleiner Mensch behalten darfst, ob du dich geborgen fühlst in dieser Welt, ob du dich traust, du selbst zu sein und ob du herausfinden kannst, wer du wirklich bist: es liegt in meiner Hand.

Du bist jetzt kein hilfloser Säugling mehr, du wirst ein eigenständiger Mensch und möchtest alles selbst ausprobieren. 

Wenn du auf dem Weg zum Kindergarten vor mir her hüpfst, mit den Armen ruderst und singst; wenn du spontan zu mir her kommst, mir über den Kopf streichelst und mir einen Kuss gibst; wenn du mir stolz zeigst, dass du deine Schuhe allein angezogen hast, dann hoffe und glaube ich, dass du glücklich bist bei mir.

Du bist ein wunderbarer Mensch, und es ist ein Wunder, dich in meiner Familie zu haben. Ein Segen des Himmels. 

An alle Eltern: denkt nicht, ihr müsstet die Kindererziehung hinter euch bringen. Denkt nicht, dass ihr eurer besten Jahre beraubt werdet. Denkt nicht, dass euer Leben zuende ist: es fängt jetzt erst an.

… und wer mir nicht glaubt, der geht zum nächsten Buchladen oder auf amazon und kauft ein Buch des genannten Autors. 

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